ECO-STREETART

WORKSHOPREIHE

Die Workshopreihe, die ich für das Sustainable Design Center initiiert habe, soll in erster Linie Spaß am Entdecken bringen und unsere Wahrnehmung schulen. Wir sammeln liegengebliebene Skurilitäten und Dinge, die unser Umfeld bietet. Um anderen Menschen sichtbar zu machen, wieviel von was, bewusst oder achtlos weggeworfen wird kreieren wir daraus neue Objekte mit Mehrwert: zum Beispiel Infografik(en) oder Installationen im öffentlichen Raum. Fotografisch halten wir unsere Ergebnisse fest und recyceln bzw. entsorgen fachgerecht. Ziel ist es, mit unserer Aktion zu Sensibilisieren und zum Nachdenken anzuregen.

Inspiriert dazu hat mich u.a. Ursus Wehrli, Autor des Buches "DIE KUNST, AUFZURÄUMEN" und Initiator verschiedener Interventionen im Raum, wie z.B. die Badewiese aufzuräumen: Video

1.
Der erste Workshop fand im Rahmen des OPENiT Festivals Berlin statt. OPENiT war ein offenes, grünes Guerilla Festival vom 26. Bis 29. September 2013 in Berlin Kreuzberg. Jeder war eingeladen, sich zu beteiligen und einzubringen.

Ablauf
Phase 1: Orgabesprechung, Team-Bildung
Phase 2: Sammeln
Phase 3: Sortieren nach diversen Kriterien und Infografik "legen" oder "stellen"
Phase 4: Fotografieren (von oben) und Zusammenführen der Bilder.
Phase 5: Fachgerechte Entsorgung bzw. Recycling

Womit wurde gearbeitet?
Fotokamera (inkl. Ladekabel)
Gummihandschuhe
Sackkarre


Mit freundlicher Empfehlung von
enorm Magazin, Wirtschaft für den Menschen
und radio eins zum Thema Weltverbesserungsidee der Woche

2.
Der zweite Workshop fand im Rahmen des Seminars „Transition Erleben“ vom 24. bis 27. April 2014 im Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg (KuBiZ) in Berlin Weißensee statt. Es bot Menschen, die sich für einen Wandel hin zu einer Postwachstumsgesellschaft einsetzen und engagieren wollen, die Möglichkeit 4 Tage lang Transition live zu erleben. Mein Workshop "Eco-Street-Art" war einer von fünf Workshops aus den Bereichen Theater, Tanz, Film, interaktive Methoden und Bildende Kunst, die sich über drei Nachmittage praktisch ergänzend an die theoretischen Vorträge am Vormittag andockte.

Wir haben uns zunächst wieder mit Gummihandschuhen, Mülltüten und Fotokamera ausgerüstet und den Müll im nahen Umfeld gesucht. Dabei fiel uns auf, dass die Wohngegend geradezu vorbildlich gepflegt wurde, jedoch um so mehr wir uns der grünen Oase des Viertels annäherten, desto mehr Müll haben wir vorgefunden. Wir trugen Skurilitäten wie einen Kleintierkäfig, einen Kühlschrank, eine Matratze, Unterhosen, eine Radkappe, komplette Hausmüll-Tüten, Überbleibsel einer Menge Genussmittel und haufenweise Papier und Plastik zurück zu unserem Sammelpunkt.

Um anderen Menschen sichtbar zu machen was achtlos weggeworfen wird, sortierten wir unsere Fundstücke und bauten daraus ein konsumkritisches Kunstobjekt. Der Workshop sollte zum einen Spaß am Entdecken bringen, zum anderen soll er sensibilisieren und Diskussionen anregen. Außerdem können die TeilnehmerInnen den Workshop im Anschluss als Multiplikatoren selbst initiieren.

Darf/soll unser Werk die Problematik ästhetisieren?
Warum werfen Menschen Müll achtlos auf der Straße weg und noch achtloser im Grünen?
Warum pflegt der Mensch die Umgebung in der er wohnt offenbar mehr als die Umgebung die allen Menschen zugänglich ist?
Warum sind die meisten Fundstücke pfandfrei?
Wievielt Müll vom Gesamtmüllaufkommen landet eigentlich in der Tonne? Und wievielt auf der Straße? Sollten wir vergleichen?
Wie können wir Konsumkritik äußern?
Wie sensibilisieren wir die Menschen ohne erhobenem Zeigefinger? Mit Humor und Übertreibung?
Was soll unser Werk letztlich kommunizieren? Was können wir darin darstellen? Sollten wir …
-> die Nutzdauer der Fundstücke / die Sammeldauer / die Dauer der Verrottung im Verhältnis zueinander zeigen?
-> die Mühe des Aufsammelns oder die Energie die wir dafür aufbringen müssen symbolisieren?
-> zeigen wieviele Menschen in nur einer Stunde, wieviel Müll und wo gesammelt haben?
-> den unbedachter Konsum betonen, also auch darauf eingehen was überhaupt konsumiert wird?
-> den Prozess des Wegwerfens dramatisieren? Wegwerfcharakter?
-> den Natur-Konsum vs. Produktkonsum stellen? (direkt am Ufer-Absperrgitter des Schwanen-Nestes, da wo die Menschen stehen und gaffen, fanden wir die meisten Zigarettenstummel)

Klar war uns, wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren weniger achtlos mit unserer Umwelt umzugehen. Neben Ideen aus den Materialien mehrere Grafiken zu gestalten, eine Kartografie der Fundorte nachzubauen, eine Upcycling-Skulptur zu schaffen, den Müll zurück in das Supermarktregal zu stellen, Schriftzüge zu bauen, eine Wäscheleine mit Müll zu spannen oder einen Parcours aufzubauen, mündeten alle Aspekte darin, den Müll als Vorhang zurück auf Augenhöhe zu bringen. Aus den Augen aus dem Sinn? Damit das ganze am wirkungsvollsten ist, inszenieren wir unser Schauspiel dort, wo es am schönsten ist – in der Natur am Weißen See in Berlin.

Damit unsere Zuschauer im Zweifel eines Missverständnisses doch noch etwas lernen, sind die Materialien im Vorhang nach der Dauer angeordnet, die sie benötigen um sich in der Natur von selbst zu zersetzen. So braucht beispielsweise ein Papiertaschentuch nur 2 – 4 Wochen, eine Zigarette 50 Jahre, eine Aluminiumblechdose 200 Jahre und eine Glasflasche unbestimmt lange um zu verrotten.

APPLAUS APPLAUS! Die Vorstellung beginnt! Oder nicht? Was verdeckt die Sicht in das Naturschauspiel? Was stört uns beim gewohnt einfachen Konsum der Natur? Es sind die Relikte unseres Produktkonsums. ZUGABE! ZUGABE! Ob der Vorhang noch fällt?


Zur PDF-Präsentation von Transition Erleben.


Zum Blog-Beitrag vom Sustainable Design Center
Zum Blog-Beitrag auf www.handmadekultur.de

3.
Zusammen mit Annekathrin Otto von Gruen Schlau & Partner plante ich eine weitere Aktion am 13. September 2014 im Rahmen der Aktion für ein schönes Berlin im Hof der Thinkfarm: Alle waren herzlich eingeladen mitzumachen!

Wir sammelten liegengebliebene Skurrilitäten auf der Oranienstrasse und kreierten daraus im hinteren Innenhof der Oranienhöfe auf ca. 15 m x 8 m eine bunte Hommage an Berlin in Form einer Collage.

-> Website der Initiatoren: Link
-> Anmeldung
-> Aufmacher im Tagesspiegel vom 16. August 2014: PDF Download




Creative Commons Lizenzvertrag
Eco Street Art von Carolin Oelsner ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter www.carolin-oelsner.de erhalten.


 


Transition Erleben